Interview mit
Martin Matheo Doeller
Ich prüfe zuerst, ob der ehrliche Wille da ist, Bestehendes auf den Prüfstand zu stellen, ob man ein starkes Fundament bauen möchte, oder ob man nur nach oberflächlichem Marketing sucht.
Gerade in unserer Branche wird enorm viel Geld verbrannt. Man heuert Agenturen an, die tolles Design liefern oder interessante Social-Media-Kampagnen aufsetzen, aber am eigentlichen Produkt- und Unternehmensverständnis ändert sich nichts. Sichtbarkeit ist gut und wichtig, aber wenn die Positionierung nicht stimmt, macht es nur das Unvollkommene sichtbarer.
Positionierung ist kein Marketing. Sie ist ein Prozess, der zum wahren Kern der Verbindung von Kunden und einer Marke führt. Und sie sollte immer Chefsache sein. Die zentrale Frage lautet nicht: „Wie werden wir sichtbarer?“, sondern: „Wofür stehen wir und welchen echten Mehrwert stiften wir?“ Man könnte auch sagen: „Was haben die Menschen davon, dass es uns gibt?“
Lassen Sie es mich konkret formulieren: an Betriebsblindheit. Wer seit Jahrzehnten erfolgreich ist und Produkte perfektioniert hat, hält seine Welt für die einzig wahre. Viele verschließen die Augen davor, dass sich die Welt nun mal massiv verändert – und mit ihr ganze Märkte und vor allem die Menschen.
Fragt man Unternehmen nach ihrem Alleinstellungsmerkmal, hört man oft: „höchste Bioverfügbarkeit, laborgeprüft, ohne Zusatzstoffe und dergleichen.“ Das Problem: Genau diese Sätze behaupten Newcomer auf Amazon oder Instagram auch. Das noch viel größere Problem ist: Deshalb kaufen die Kunden heute nicht mehr. Sie kaufen das, was tiefer liegt: das „Produkt hinter dem Produkt“, den emotional spürbaren Vorteil. Ob man es wahrhaben will oder nicht: Ein gutes oder sehr gutes Produkt ist heute selbstverständlich und noch lange kein Grund, warum Kunden kaufen.
Weil Sichtbarkeit und Reichweite ohne klare Botschaft schlichtweg nichts bringen, außer vielleicht Kunden, die nicht zum Unternehmen passen. Wer Content ohne Strategie produziert, verbrennt am Ende nur wertvolles Budget.
Was nützt es einer Marke, wenn Tausende ein Posting sehen, aber niemand begreift, warum man für ein Produkt mehr bezahlen soll als für das Discounter-Präparat? Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck. Zuerst muss das Fundament stehen – die Positionierung – erst danach baut man die Kommunikation strategisch auf. Wir verwenden dafür die Methodik der Themenmatrix und schaffen damit nachhaltige Sichtbarkeit auf relevanten Kanälen und nicht nur auf Social Media.
Eine wirklich entscheidende. Die Nachfolge ist oft der größte Stresstest für Unternehmen und Unternehmerfamilien. Auf der einen Seite steht die Gründergeneration, die den Betrieb über Jahrzehnte mit viel Herzblut und großer Kompetenz aufgebaut hat. Auf der anderen Seite kommt die nächste Generation mit neuen Ideen, digitalem Mindset und modernen Ansätzen und Vertriebskanälen.
Die Gefahr besteht darin, entweder im Gestern zu verharren oder das Kind mit dem Bade auszuschütten. Als Sparringspartner und Mediator erlebe ich immer wieder, dass eine vage Positionierung für ordentlich Konfliktstoff in der Nachfolge sorgt. Zugleich ist diese Phase ein idealer Zeitpunkt, um die Positionierung zu hinterfragen, zu schärfen oder zu stärken.
Kurz: die Erfahrung des Seniors und die Dynamik des Juniors sinnvoll zu verbinden und das Unternehmen damit zukunftsstark auszurichten.
Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf und hören Sie auf, produktzentriert zu denken! Wenn ein Konkurrent mit einem neuen Trend-Inhaltsstoff wirbt, lassen Sie ihn! Drehen Sie den Blick um: Schauen Sie nach innen, finden Sie Ihre wahren Stärken und die echten Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe! Fragen Sie sich einfach: Woran merken die Menschen, dass wir einen echten Unterschied machen? Wenn Sie darauf die richtige Antwort haben, haben Sie schon fast gewonnen.
Martin Matheo Doeller ist ganzheitlicher Business-Mentor, Referent und Autor.
Als Positionierungsexperte begleitet er Unternehmen bei ihrer strategischen Ausrichtung.
Dies mit besonderer Expertise in der Nahrungsergänzungs- und Beautybranche.